2018-12-04

Was denken Käufer wirklich?

Eine erste Vorschau auf die Ergebnisse der „European Consumer Packaging Perceptions study“ gab es in der jüngsten Ausgabe des Pro Carton-Magazins und beim ECMA-Kongress im September. Jetzt ist der gedruckte Bericht erschienen und kann von unserer Website heruntergeladen werden. Die Studie zeigt deutlich, dass die Konsumenten großen Wert auf nachhaltige Verpackungen legen und bereit sind, zu wechseln. Der Bericht enthält die wichtigsten Ergebnisse der Studie, doch ich möchte hier noch einige Statistiken zeigen, die nicht ihren Weg in die Endfassung gefunden haben.

Für alle, die die Studie nicht kennen: Sie wurde im Sommer von Coleman Parkes Research mit 7.000 Befragten durchgeführt, die gleichmäßig auf die sieben Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Spanien und die Türkei verteilt waren.

Das erste, was mir auffiel, war, wie ähnlich die Ergebnisse in jedem Land waren. Das Umweltthema interessiert die Konsumenten in ganz Europa, wobei die Zahlen aus Osteuropa denen aus Westeuropa im Wesentlichen entsprechen. Die Welt wird immer homogener – zum Besseren wie zum Schlechteren.

Besonders erstaunlich war die große Zahl von Menschen, die erklärten, sie seien bereit, für Produkte in umweltfreundlicheren Verpackungen mehr zu bezahlen. Beinahe vier von fünf Konsumenten sagten, sie seien willens, mehr zu bezahlen, wenn die Verpackung die Umwelt nicht schädigt, wobei Polen an der Spitze lag. Natürlich muss man zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten unterscheiden, aber die Zahl hat mich doch überrascht, sie zeigt deutlich, wie stark die Gefühle sind.

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Um wieviel mehr würden Sie für ein Produkt bezahlen, wenn das zur Folge hätte, dass die Verpackung des gewünschten Artikels die Umwelt weniger beeinträchtigt? 77% würden mehr bezahlen!

 

Die Konsumenten sind auch beunruhigt über das Tempo bzw. die Langsamkeit des Wandels. 64 Prozent sind der Ansicht, Handel und Markenartikler unternehmen nicht genug, um umweltfreundliche Verpackungen einzuführen, wobei die Konsumenten in Großbritannien besonders kritisch sind.

 

Wird Ihrer Ansicht nach im Handel und in der Markenartikelindustrie genug unternommen, um umweltfreundliche Verpackungsformen einzuführen?

 

Überrascht hat mich, dass Blech und Dosen als das am wenigsten rezyklierbare und umweltfreundliche Material gesehen werden, noch hinter Kunststoff. Hier hat „Metal Packaging Europe“ (der Fachverband der Industrie für Getränkedosen und Metallverpackungen) viel Arbeit vor sich. Ermutigend ist, dass Karton als das mit Abstand umweltfreundlichste Material angesehen wird.

Welche Verpackungsform ist am besten rezyklierbar? Natürlich Karton.

 

Jetzt noch einiges, was Sie in der Studie nicht finden und was dennoch interessant ist, besonders für jene, die in der Karton- und Faltschachtelindustrie arbeiten.

Während sich 71 Prozent der Befragten besorgt zeigten über die Umwelteinflüsse von Kunststoffverpackungen, zeigten sich 41 Prozent ebenso besorgt über Karton und Faltschachteln. Der Grund dürften falsche Vorstellungen über die Abholzung in Europa sein. Die Leser werden sich erinnern, dass die Fläche der europäischen Wälder in den letzten Jahren täglich um das Äquivalent von 1.500 Fußballfeldern gewachsen ist, doch das muss wohl immer wieder neu betont werden. Aber die Studie zeigt auch, dass die meisten Konsumenten verstanden haben, dass Karton und Faltschachtel biologisch abbaubar sind und rezykliertes Material in hohem Maße wiederverwendet wird.

Große Unterschiede in den einzelnen Ländern gab es bei der Frage, ob man eine Steuer einführen sollte, um Markenartikler und Handel dazu zu zwingen, mehr umweltfreundliche Verpackungsformen einzuführen. In Italien waren 74 Prozent der Bevölkerung dafür, 49 Prozent sehr dafür – fast doppelt so viele wie in den anderen Ländern. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Minister der italienischen Regierung ein neues, grünes Wirtschaftsmodell gefordert haben, das sich nicht auf Profitmaximierung konzentriert.

Der italienische Umweltminister Sergio Costa sagte, die Regierung habe gezeigt, „dass sie wirklich verstanden hat, dass die Zukunft des Planeten nicht auf Profimaximierung basieren kann“, als sie seinem Ministerium die Zuständigkeit für die Kreislaufwirtschaft übertrug. Er fügte hinzu: „Jene, die in der Wirtschaft das Sagen haben, müssen über das Prinzip nachdenken, dass nicht Profitsteigerung der wichtigste Bezugspunkt ist, sondern der richtige Gewinn, der richtige Profit. Das ist ein großer, großer Unterschied.“ Das ist ein ganz anderer Ansatz für Handel und Wirtschaft, einer, der offensichtlich auch mit den italienischen Konsumenten übereinstimmt.

Dass die Einstellung der Befragten je nach Alter unterschiedlich ist, überrascht nicht. Am meisten war dies wohl bei der Frage nach der Abholzung der Fall, wobei die älteren Konsumenten sich wesentlich informierter zeigten als die jüngeren. Während weniger als ein Drittel der über 60-Jährigen glauben, dass Karton und Faltschachten zu Entwaldung führen, glauben dies 47 Prozent der 19- bis 21-Jährigen. Die Industrie muss zweifellos mit jungen Konsumenten verstärkt kommunizieren, und das macht Projekte wie das neue Schulprogramm von Pro Carton (TICCIT – Trees into Cartons, Cartons into Trees), den Pro Carton Young Designers Award und unsere wachsende Präsenz auf Facebook, LinkedIn und anderen Plattformen noch relevanter und wichtiger. Ihre Unterstützung dieser und anderer Aktivitäten ist entscheidend, ermutigen Sie also Ihre Familie und Ihre Kollegen, uns in den Sozialen Medien zu „folgen“, zu „teilen“ und zu „liken“, um die Botschaft des Kartons in der jüngeren Generation zu verbreiten – erneuerbar, rezyklierbar, wirklich nachhaltig.

Wenn ich Ihnen Lust auf mehr gemacht habe, finden Sie in der Studie weitere Informationen. Es gibt sie in mehreren Sprachen.

Tony Hitchin, General Manager Pro Carton


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