2018-12-04

Nachhaltigkeit – ein Konzept von Gestern oder für Morgen?

Auf dem Pro Carton/PROPAK Austria Marketing Event im Oktober 2018 machte der österreichische Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner klar, dass die Kreislaufwirtschaft der Zukunft bereits begonnen hat und Erfolg ohne nachhaltige Produkte nicht mehr denkbar ist. Fairtrade hat im Jahr 2017 weltweit Waren im Wert von 8,49 Mrd. Dollar verkauft.

Allein 2017 ist der Umsatz um 8 Prozent gestiegen. Begonnen hat die Bewegung im Jahr 1988 in den Niederlanden. Heute arbeitet Fairtrade International mit 1,6 Millionen Bauern in 75 Ländern zusammen.

Positive Entwicklung

Hartwig Kirner kommt aus der Markenartikelindustrie und hat Fairtrade in den vergangenen 11 Jahren zu einer der wichtigsten Marken in Österreich gemacht.
„Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung hat sich die Welt in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt: Es gibt weniger Armut, 80 Prozent der Menschen können mittlerweile lesen und schreiben, und in Bangladesch ist die Geburtenrate pro Frau auf 2,3 Kinder zurückgegangen. Trotzdem glauben die meisten Menschen weltweit, dass die Welt in den letzten Jahren schlechter geworden ist, vor allem auch in Europa.“

„Viele meinen, dass früher alles besser war, aber das stimmt nicht. Die Armut war auch bei uns viel größer als heute, eine Zweizimmerwohnung für sieben oder acht Menschen war keine Seltenheit, und die meisten Menschen mussten in der Landwirtschaft körperlich sehr hart arbeiten. Man hört oft: Es nützt alles nichts, die Welt wird immer schlechter. Aber die Realität sieht völlig anders aus. Wenn man daran arbeitet, die Welt besser zu machen, wird sie auch besser. Das bedeutet: Weltverbesserer sind Realisten!“

Fairtrade hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation von Kleinbauernfamilien in Lateinamerika, Afrika und Asien zu verbessern. „Es geht nicht um Almosen, sondern darum, dass Menschen, die für uns Produkte herstellen, auch fair entlohnt werden. Wir haben drei Säulen der Nachhaltigkeit in den Sortimenten des Handels bei uns: Regionalität, Bio-Landbau und fairer Handel.“

Das Vertrauen der Konsumenten

„Heute sagen 62 Prozent der Menschen, dass sie Halt im Leben suchen. Das Vertrauen in die etablierten Institutionen ist zurückgegangen. Deshalb nimmt die Bedeutung von Nachhaltigkeit stark zu. Es gibt eine große Sehnsucht nach ehrlichen, reinen Produkten. Die Umsatzentwicklung von Fairtrade-Erzeugnissen war schon zu Beginn unseres Jahrtausends sehr positiv, aber seit der Wirtschaftskrise ist das Wachstum geradezu explodiert. Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten fünf bis sieben Jahren extrem an Dynamik gewonnen.“

79 Prozent der Konsumenten vertrauen der Marke Fairtrade. „Es ist wichtig, dass wir nicht stehen bleiben, sondern uns immer weiter nach vorne entwickeln. Es darf nie der Verdacht aufkommen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Gerade wenn man als Industrie beim Thema Nachhaltigkeit gut positioniert ist, muss man das Thema auch intensiv umsetzen.“

Befragungen zeigen, dass die Menschen zunehmend Fairtrade-Produkte kaufen wollen. „Fast drei Viertel der Menschen erklären, dass sie Fairtrade-Produkte kaufen möchten. Ich weiß, dass das Wunschaussagen sind, aber es zeigt doch, dass dieser Trend in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. In Österreich gehört die Marke Fairtrade mittlerweile zu den den Top-25.“

Die Chancen nutzen

„Man kann gar nicht oft genug erwähnen, dass Nachhaltigkeit ein extrem heißes Thema ist. Der Lebensmittelhandel ist derzeit ein echter Treiber dafür und setzt viele Initiativen. Das ist kein Greenwashing mehr, das sind echte Bemühungen, denn der Handel versteht seine Konsumenten am besten und weiß, was sie wollen. Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Thema Plastik ist zu einem der ganz großen Megatrends in der Gesellschaft geworden: Die Chance, Karton gegen Plastik zu positionieren, ist größer denn je.“

„Aber ich möchte davor warnen, mit erhobenem Zeigefinger zu sprechen. Die Konsumenten mögen das nicht. Wir bei Fairtrade haben damit schon vor vielen Jahren aufgehört. Immer nur auf die Probleme zu zeigen, frustriert die Menschen. Sie wollen ein positives Bild haben, und wir sehen auch bei Fairtrade, dass wir viel mehr Gehör finden, wenn wir die positiven Aspekte einer Nachhaltigkeitsstrategie in den Vordergrund stellen. Die Karton- und Faltschachtelindustrie muss zeigen, was ihre Produkte leisten können. Die Zeit für Karton ist gekommen, aber diese Gelegenheit muss auch genützt werden, um die Ökologie zu stärken.“

„Wenn ich mir ansehe, wie sich die Welt in den letzten Jahren zum Besseren verändert hat, dann bin ich stolz, auf diesem Event zu erleben, wie das Verpackungsthema auf einer guten Plattform diskutiert wird und positive Lösungen erarbeitet werden. Ich freue mich, dass die Karton- und Faltschachtelindustrie das Thema Nachhaltigkeit wirklich ernst nimmt.“


Mitglieder, Förderer, Partner von Pro Carton

Barcelona Carton
Kotkamills
Pankaboard
WestRock
RenoDeMedici
Storaenso
WEIG-Karton
Metsä Board
Mayr-Melnhof Karton
Mel
Kartonsan
International Paper
Iggesund
Fiskeby
Buchmann Karton
Billerudkorsnas
International Packaging Group
BOBST
Heidelberg
Sappi
ECMA