2020-12-16

Kommunizieren während Covid

Von Adam Craig, Leiter des Bereichs B2B und Unternehmen bei Storm Communications

Weihnachten ist die Zeit der Freude, des Schenkens und der vereinten Familien. Leider werden all diese Dinge in diesem Jahr über die Feiertage wohl auf die Probe gestellt werden, da Covid-19 weiterhin jeden Winkel der Welt betrifft.

Unabhängig davon, wo wir leben, das Jahr 2020 war auf die eine oder andere Weise ein Jahr der Veränderung. Mit Blick auf das neue Jahr können wir ohne jeden Zweifel erkennen, dass die Art und Weise, wie wir einkaufen, reisen, sogar wie wir mit unseren Familien kommunizieren, eine andere Form angenommen hat. Und auch die Art, wie wir Informationen konsumieren, hat sich verändert.

War das Coronavirus ein karrierebestimmender Faktor für jene, die auf dem Gebiet der medizinischen Wissenschaft arbeiten, so war es ein kritischer Faktor für den gesamten Mediensektor. Journalisten und Publikationen – diejenigen, die überlebt haben – müssen jetzt mit weniger noch mehr leisten. Die Werbeeinnahmen sind versiegt. Redaktionen wurden beurlaubt und die Planung für zukünftige Aktivitäten ist unmöglich geworden.

Als jemand, der seit vielen Jahren in der Kommunikationsbranche tätig ist wurde ich kürzlich gefragt, welches die größte Herausforderung in der Branche während der Covid-Pandemie war. Für mich war die Antwort einfach: Es ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Medienlandschaft verändert hat, getrieben durch die Art, wie die Menschen ihre Informationskonsumgewohnheiten geändert haben.

Was ich damit meine? Um es in Kontext zu setzen: Eine Studie von DoubleVerify hat ergeben, dass der tägliche Konsum von Online-Inhalten weltweit von durchschnittlich 3 Stunden 17 Minuten im Laufe der Pandemie auf 6 Stunden 59 Minuten angestiegen ist. Darüber hinaus ergab ein Bericht des Datenanalyseunternehmens Nielsen vom Juni, dass die Menschen in Italien im März im Vergleich zum März 2019 180 % mehr Zeit mit dem Lesen von Online-Nachrichten verbrachten – in Thailand lag diese Zahl bei 125 %, in Japan bei 78 % und in Australien bei 52 %. Tatsächlich stammten 89 % der über 600 Medienberichte, die wir für Pro Carton erfasst haben, von Online-Titeln.

Abgesehen davon erreichte im ersten Quartal 2020 die durchschnittliche Anzahl der täglich aktiven Nutzer auf Twitter – die nach Echtzeit-Nachrichten suchten – etwa 164 Millionen, ein unglaublicher Anstieg von 23 % gegenüber 2019. Andernorts verzeichneten TV-Sender in den Sommermonaten einen Anstieg der Zuschauerzahlen zwischen 10 und 20 %, die zu dieser Jahreszeit normalerweise sinken, weil die Menschen mehr Zeit im Freien verbringen. In Großbritannien informiert sich inzwischen fast ein Viertel (24 %) der jüngeren Zuschauer auf Instagram.

Natürlich haben wir dafür gesorgt, dass Pro Carton mit der Zeit geht – da wir wissen, dass die Menschen mehr Zeit in den sozialen Medien verbringen, haben wir uns auf die Entwicklung von Gifs und visuellen Inhalten konzentriert. Dies hat dazu beigetragen, dass die Follower von Pro Carton im vergangenen Jahr um 69 % gestiegen sind. Wir haben mehr animierte Videos erstellt, von der Reaktion der Branche auf Covid-19 bis hin zu den Carton Campaigners. Über 1,2 Mio. Aufrufe des letzteren zu erreichen, war eine Bestätigung unserer Strategie. Zusätzlich haben wir Social Media-Influencer eingesetzt, die unter unserer Anleitung für Karton und Faltschachteln geworben haben und ein neues Publikum von über 600.000 Konsumenten erreichen konnten.

Podcasts haben in letzter Zeit eine Berg- und Talfahrt absolviert. Nach einem Rückgang beim Hören von Podcasts während des Lockdowns, der weithin darauf zurückgeführt wurde, dass die Menschen weniger pendeln, haben die Daten des Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) inzwischen wieder einen Aufschwung verzeichnet. In 20 Ländern hören jetzt 31 % der Hörer einen Podcast (44 % in Spanien, aber nur 22 % in Großbritannien), wobei Nachrichten und Politiksendungen zu den beliebtesten gehören. Die Nuancen der verschiedenen kulturellen Vorlieben und Trends zu verstehen, ist von entscheidender Bedeutung, um die richtigen Botschaften zu vermitteln. Aus diesem Grund hat Pro Carton jetzt PR-Berater in Frankreich, Italien und Deutschland, um die europaweite Arbeit zu unterstützen.

Letztendlich zeigen die Daten, dass sich die Art und Weise, wie wir Informationen konsumieren, von der früher akzeptierten Norm entfernt hat, egal woher wir kommen. Millionen von Menschen wurden beurlaubt, die Zahl der Leser von Fachmedien ging in den freien Fall, Podcasts stagnierten, und es gab mehr freie Zeit, die mit sozialen Medien, dem Surfen im Internet, Radiohören oder Fernsehen (nicht immer Netflix!) verbracht wurde.

Es war durchaus interessant zu sehen, wie sich die Radiosender neu erfanden und dafür mit rekordverdächtigen Online-Hörerzahlen belohnt wurden, nachdem sie über viele Jahre hinweg an Bedeutung verloren hatten. Die Pandemie hat vor allem den lokalen Radiosendern einen dringend benötigten Schub verschafft, da sie neue, fesselnde Inhalte brauchen, um die Menschen im Lockdown anzusprechen.

Trotz der sich verändernden Form, in der wir Informationen konsumieren, gibt es immer noch ein überwältigendes Bedürfnis nach glaubwürdigen Nachrichtenquellen. Zusammen mit Covid ist „Fake News“ wahrscheinlich der Begriff des Jahres 2020, weshalb sich auch beobachten lässt, dass die Giganten der sozialen Medien ihre Inhalte neuerdings stärker überprüfen, wie ein gewisser Präsident kürzlich herausfinden musste.

Während die Welt sich langsam von diesem bizarren Jahr zu erholen beginnt, werden wir noch weitere Veränderungen in der Medienlandschaft sehen. Die Verlagerung hin zum Digitalen wird jedoch unumkehrbar bleiben. Wir bewegen uns schon seit einiger Zeit in diese Richtung und Covid hat viele Verlage geradezu dahin gezwungen.

Interessant wird sein, ob Radio und Fernsehen ihre Renaissance fortsetzen können und ob die Regulierung helfen kann, Desinformation im Internet herauszufiltern. Wenn es den Regierungen gelingt, dieses Minenfeld zu entschärfen, dann erwarte ich, dass 2021 ein aufregendes Jahr für Kommunikationsprofis auf der ganzen Welt sein wird, da sie sich darum bemühen werden, informativere digitale Kampagnen auf sozialen Kanälen und anderswo umzusetzen. Und wenn noch mehr Werbeeinnahmen in den digitalen Bereich fließen, bin ich nicht sicher, ob unser alter Freund, die gedruckte Zeitung, noch eine Zukunft hat.

Eines ist jedoch sicher: Die Medienlandschaft wird sich noch so einige Male in unserem Leben verändern. Hoffen wir nur, dass dies beim nächsten Mal nicht von einer Pandemie ausgelöst wird!


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