2017-12-11

Ein Award, der Türen öffnet!

Pro Carton hat Magdalena Witkowicz getroffen, die zwei Mal Finalistin des Pro Carton Young Designers Award war und jetzt einen perfekten Job in einer internationalen Designagentur an Land gezogen hat. Sie erzählt wie es läuft und wie hilfreich der Award für sie war.

Hi Magdalena, danke, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Wann sind Sie zu SiebertHead gegangen und was ist Ihre Aufgabe dort?
Ich kam im Januar 2017 als Junior Packaging Designer zum Team von SiebertHead in Warschau, ich arbeite also schon beinahe ein Jahr dort. Ich hatte von Anfang an die Möglichkeit, Designs für große Konsumgüterkunden zu gestalten. Für mich ist es auch großartig, von anderen, erfahrenen Designern zu lernen. Als graphische Designerin helfe ich auch anderen, ihre Designs zu verbessern, die bereits vom Kunden ausgewählt wurden.. Es gehört zu meinem Job, das abschließende Design zu kreieren, in der richtigen Auflösung für den Druck, sowie die erforderlichen Grafiken und Textteile in eine Datei für Stanzformen zu bringen.

Ich freue mich über die Vielfalt meiner Aufgaben. Auf der einen Seite genieße ich es, an abschließenden Designs zu arbeiten, denn dabei muss man sich sehr auf Details konzentrieren, aber es ist auch eine ruhige Aufgabe ohne Stress und Sorgen. Auf der anderen Seite ist es sehr kreativ und erfrischend, an einem neuen Projekt zu arbeiten, doch es kann manchmal aufreibend sein, wenn man die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt finden muss. Diese Abwechslung in meinem Job sorgt für eine gute Balance.

Was genießen Sie besonders?
Das Wichtigste für mich ist, dass ich mit einem großartigen Team zusammenarbeiten kann. Ich gehöre zu denen, die den Austausch mit anderen Menschen brauchen, um Ideen zu teilen, Erfahrungen auszutauschen, Denkanstöße zu erhalten und Spaß zu haben. Alle in meinem Team sind sehr freundlich und hilfsbereit, sie haben viel Erfahrung und Freude an ihrer Arbeit. Mit ihnen Zeit zu verbringen und zusammenzuarbeiten ist inspirierend und macht Spaß.

Für mich als junge Designerin ist wichtig, dass ich bei SiebertHead die Möglichkeit habe, den gesamten Ablauf einer echten Produktion zu sehen und zu erfahren. Wir arbeiten für sehr große Unternehmen, sodass ich einen Teil meiner Arbeit in einem Regal im Geschäft oder im Supermarkt sehen kann. Das ist für eine junge Designerin etwas Neues und eine fantastische Chance und Erfahrung. Davon habe ich letztes Jahr geträumt.

Was war bisher Ihr Lieblingsprojekt?
Bei SiebertHead machen wir vor allem grafisches Verpackungsdesign. Ich als Liebhaberin von Papier und Papierkonstruktionen mag vor allem jene Projekte, die aus Karton und Faltschachteln bestehen. Ich habe viel Freude daran, Stanzform-Dateien mit Grafiken zu befüllen, auch bei sehr einfachen und gewöhnlichen Konstruktionen. Ich sehe die gesamte Form aus Papier sofort vor mir und kann mir vorstellen, wie sich die grafischen Elemente am Ende auf der Form zusammenfügen. Das liebe ich an meinem Job am meisten.

Mein Lieblingsprojekt? Ich mag viele, aber es gab ein Kartonverpackungsdesign, das wir für ein neues Kosmetikprodukt für Jugendliche gestaltet haben. Es wurde für ein großes und in Polen sehr bekanntes Unternehmen gemacht. Ich war von Anfang an daran beteiligt. Nach dem Briefing gestaltete ich verschiedene Designvarianten und der Kunde mochte sie alle! Unter der Anleitung des Kreativdirektors und mit Unterstützung anderer Designer arbeitete ich an den Designs und den Prototypen. Das Ergebnis wird demnächst produziert, und ich kann es kaum erwarten, es auf den Regalen zu sehen. Mithilfe der grafischen Kommunikation wollte ich den Jugendlichen Geschichten über das Produkt erzählen, um ihre Fantasie anzuregen, um die Benützung zum Erlebnis zu machen.

Sie waren Finalistin beim Pro Carton Young Designers Award, nicht wahr?
Ja genau. Sogar zwei Mal! Beim ersten Mal wurde ich 2014 mit meinem Projekt „Der Pinguin“ zur Award Gala beim ECMA Pro Carton-Kongress in Sorrento eingeladen. Ich war die erste Teilnehmerin aus Polen, die bei diesem Wettbewerb in die Endrunde kam. Das war eine große Sache. Der Pinguin war meine erste Verpackung, einfach eine Semesterarbeit an meiner Schule. Ich hätte nie gedacht, dass sie so weit kommen würde. Die Award Gala in Sorrento war unglaublich, die ganze Reise durch Italien war eine wunderbare Erfahrung, an die ich mich sicher noch lange erinnern werde.

Zwei Jahre später reichte ich beim nächsten Pro Carton Young Designers Award wieder ein, diesmal mit einem neuen Projekt für essbare Samen, und ich wurde erneut Finalistin! Diesmal fand die Gala in Cannes statt. Roter Teppich, die Côte d’Azur, Sonne, Strand und der Verpackungsevent – es war wie im Traum.

Wie haben Sie von dem Award gehört und warum haben Sie eingereicht?
Anfang 2014 nahm ich an einem Studentenwettbewerb in Polen teil, der von der Packaging Innovations Fair in Warschau organisiert wurde. Als Siegerin erhielt ich meinen eigenen Messestand. Das war der Anfang meines Abenteuers mit Verpackungen. Mitglieder von Pro Carton sahen meinen Entwurf auf der Messe und schlugen mir vor, ihn beim Pro Carton Young Designers Award einzureichen. So hat es begonnen.

Welche Vorteile hat Ihnen der Award gebracht?
Der Pro Carton Young Designers Award hat mir natürlich viel Erfahrung gebracht, ohne die ich heute nicht hier wäre Vor allem erhielt ich die Bestätigung, dass ich gut bin in dem, was ich mache, und dass ich weitermachen sollte. Das gab mir Mut und Selbstvertrauen für weitere Schritte.

Außerdem war der Award eine Hilfe bei der Wahl meines eigenen Weges als Designerin. Als ich das erste Mal ausgewählt wurde, wusste ich noch nicht, welche Art von Design ich einmal machen würde – Produkt, Grafik, Möbel … Als Studentin war die Entscheidung nicht leicht. Während meiner Zeit in Italien, zu der mich meine Lehrerin Agnieszka Andruszkiewicz eingeladen hatte, begannen wir, über Verpackungen zu sprechen und das neue Projekt für meinen Abschluss. Da entstand der Entschluss Verpackungsdesignerin zu werden. Mein Diplomprojekt war eine wiederverwendbare Kartonverpackung für essbare Samen mit einem Dosiersystem. Es hieß „Good seeds make a good life“. Auch mit diesem Projekt wurde ich Finalistin beim Pro Carton Young Designers Award und wurde zum großen Galadinner in Südfrankreich eingeladen. Mit diesem Projekt erhielt ich auch in Polen viele weitere Auszeichnungen. Letztes Jahr wurde ich auch gebeten, es beim größten polnischen Designfestival in Łódź zu präsentieren. Die Idee zu diesem Projekt kam mir auf dem Rückweg von meinerersten Preisverleihung in Sorrento!

Der Pro Carton Young Designers Award hat auch mein Wissen über die Verpackungsindustrie erweitert. Sogar das Papier, das ich für mein Diplomprojekt verwendete, war eine Anregung aus Sorrento. Ich gestaltete die Kartonkonstruktion mit Material von International Paper aus Kwidzyn. Diese Art von Karton hatte ich zum ersten Mal beim ECMA Pro Carton-Kongress gesehen. Vertreter des Unternehmens erklärten mir die Eigenschaften dieses Materials.

Beim ECMA Pro Carton-Kongress begegnete ich Repräsentanten der wichtigsten Unternehmen Europas. Als sie hörten, dass ich Studentin bin, wollten sie unbedingt mit mir sprechen. Wir diskutierten über verschiedene Druckverfahren. Das war damals für mich ganz neu. Es waren fantastische Leute und großartige Momente. Da habe ich viel gelernt.

Dass ich Finalistin beim Pro Carton Young Designers Award war, hat meiner Karriere sicher geholfen. Schon als Studentin erhielt ich einige Jobangebote. Die meisten waren in anderen polnischen Städten, aber ich wollte nicht aus Warschau weggehen. Auch wenn ich sie nicht angenommen habe, gab mir das Kraft und Selbstvertrauen für die Zukunft. Als Studentin ging ich zu einigen Anstellungsgesprächen. Ich habe auch die Produktionslinien der größten polnischen Unternehmen gesehen. Ich wurde als Gast dazu eingeladen. Eines der größten Unternehmen der polnischen Verpackungsindustrie hat mich sogar auf Google gefunden  Das wäre ohne den Pro Carton Young Designers Award nicht passiert.

Das alles gab mir die Kraft, gleich nach dem Studium meine eigene Firma zu gründen, „MAD ABOUT PAPER“. Ich hatte meine eigenen Kunden und wollte auch den berühmten „Pinguin“ produzieren. Ich bewarb mich um eine Finanzierung und erhielt einen Zuschuss für die Produktion! Die Urkunde des Pro Carton Young Designers Award bestätigte bei diesen Formalitäten den Wert des Projekts. Ohne sie wäre es schwer gewesen, einen solchen Zuschuss zu erhalten und den Pinguin selbst zu produzieren.

Die Geschichte meiner Bewerbung bei SiebertHead war recht lustig. Nachdem ich den Pinguin produziert hatte, war ich zwar glücklich, aber ich hatte die selbstständige Arbeit auch satt. Ich brauchte ein Team, um wieder Spaß zu haben und Fortschritte zu machen. Es war kurz vor der Gala in Cannes, als ich mich noch gar nicht für einen neuen Job beworben hatte. Ich hoffte, bei der Gala einigen Leuten aus der Industrie zu begegnen und mich bei ihnen nach einem aufregenden neuen Job umzusehen. So stieß ich auf die Website von SiebertHead. Satkar Gidda, der Vorsitzende der Jury, arbeitet bei SiebertHead. Damals gab es keine Stellenangebote auf der Website von SiebertHead. Eine Woche später sah ich eines auf einem Social Media-Portal. Es entsprach zu 100 Prozent meinen Vorstellungen. Ich schickte sofort meine Bewerbung. Während des Aufenthalts in Frankreich erhielt ich von SiebertHead die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Bei der Gala sprach ich mit Lehrern der anderen Finalisten aus anderen Ländern, und sie gaben mir Ratschläge, wie ich mich beim Interview präsentieren sollte. Nach einigen Wochen und mehreren Gesprächen mit SiebertHead hatte ich die Stelle!

Welchen Rat würden sie anderen aufstrebenden Designer/innen geben?
Alles was ich sagen kann, ist: VERSUCH ES! Schick deine Arbeiten zu Wettbewerben, vor allem internationalen wie dem Pro Carton Young Designers Award. Auch wenn die Einreichung für den Wettbewerb einige Opfer verlangt und eine Menge harter Arbeit – das Design aufzubereiten, die Prototypen von Hand zu fertigen und die Formalitäten und die Papierarbeit bis in die Nacht hinein zu machen – das ist es wert! Es ist eine große Chance für dich und es bringt auf jeden Fall viel Freude und Erfahrung!

Vielen Dank, Magdalena, und viel Glück für die weitere Karriere!
Danke, es war ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen.


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