2018-06-20

Überblick über internationale Verpackungsstudien

Pro Carton hat in letzter Zeit erschienene internationale Verpackungsstudien ausgewertet, die sich weitgehend auf vier Hauptdiskussionsbereiche konzentrieren: Digitalisierung, Urbanisierung, Design & Funktionalität und Nachhaltigkeit.

Die Auswertung zeigt, dass der weltweite Verpackungsmarkt weiterwächst, wobei dieses Wachstum durch mehrere Schlüsselfaktoren gefördert wird. In seinem Bericht „Die Zukunft von Faltschachteln bis 2022“ schätzt Smithers Pira, dass die globale Nachfrage nach Faltschachtelkarton, der in Faltschachtel- und Wellpappverpackungsanwendungen eingesetzt wird, bis zum Jahr 2022 jährlich um 4,0 % (CAGR) wachsen und einen Marktwert von 124,1 Mrd. $ erreichen wird.

In den asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländern wird damit gerechnet, dass eine bedeutende Umstellung beim Verkauf von losen Produkten auf abgepackte Produkte stattfinden wird. Während es zukünftig erwartet wird, dass die Verpackung in den Industrieländern wie in Nordamerika und Westeuropa den Erlebniswert für den Verbraucher steigern wird.

Welche Produkte werden aber die Wachstumstreiber sein?
Euromonitor prognostiziert, dass herkömmliche Snackprodukte das Mengenwachstum in der Lebensmittelverpackung im Zeitraum 2017-2021 prägen werden. Dies wird nicht nur auf die zunehmende Beliebtheit von Snackprodukten, sondern auch auf Meinungsveränderungen bezüglich Gesundheitsfragen zurückgeführt, die Süßwaren, Kekse, Salzgebäck und Eiskrem betreffen. Daraus entsteht ein Trend zu kleineren Packungsgrößen und erhöhte Kontrolle der Kalorienzahl, während der Erlebniswert für den Verbraucher beibehalten bzw. verbessert wird.

Während das Wachstum im Bereich der Verpackung von Reinigungsmitteln lediglich bescheiden ausgefallen ist, gab es in diesem Markt trotzdem nach wie vor viele Innovationen in den Jahren 2011-2016, insbesondere was die Verpackung von Wäschepflegeprodukten betrifft. Während die Industrieländer stagnierende Umsätze verzeichneten, tragen die Schwellenländer zum Mengenwachstum bei, indem sie Waschmittelprodukte – vor allem kleinere Packungsgrößen – für Verbraucher erschwinglicher gemacht haben. Kleinere Packungsgrößen sind auch für Verbraucher mit niedrigem Einkommen attraktiv, während größere Packungsgrößen ein besseres Preis-/Leistungsverhältnis bieten und für Verbraucher mit einem höheren verfügbaren Einkommen interessant sind, die zwischen Preis und Komfort entscheiden müssen.

Kartonverpackungen für Flüssigkeiten stellen einen weiteren Bereich dar, in dem bedeutendes Wachstum erwartet wird. Dieser Markt wird von Milchprodukten – einschließlich alternativer Milchgetränke – angeführt. Danach folgen Verpackungen für Saftprodukte.

1. Digitalisierung

Das Wachstum bei den Einzelhandelsumsätzen im Internet wird weiterhin durch den Wunsch der Verbraucher nach Komfort und wettbewerbsfähigen Preisen vorangetrieben. Dies hat sich auf die Verpackungsnachfrage und -anforderungen ausgewirkt, die durch das schnelle Wachstum bei Lieferungen nach Hause bedingt sind. Diese Tatsache führt dazu, dass Verpackungen von geringerem Gewicht sowie kleinere Packungsgrößen für diesen Zweck eingesetzt werden, wobei Verbraucher häufiger zu Mehrstückpackungen oder Produkten in kleineren Verpackungen wie Reisegrößen und Muster als Alternativen zu Verpackungen in voller Größe greifen.
Die beiden Wachstumsbereiche der Mehrstückpackungen und der kleineren Packungsgrößen werden der Forderung der Verbraucher nach erschwinglicheren Produkten gerecht, während die Nachfrage nach Verpackungen von geringerem Gewicht, die durch eine Umstellung auf kleinere oder kompaktere Packungsarten befriedigt werden kann, Markeninhabern, Einzelhändlern und Verbrauchern Vorteile bringen kann, weil Einsparungen bei den Produktionskosten, beim Transport und bei den Lieferkosten möglich sind.
Die Nutzung von intelligenten Technologien für Verpackungen – sowohl bei der Automatisierung als auch beim Transport – spielt ebenfalls eine Rolle und ermöglicht die Kommunikation mit intelligenten Geräten.

2. Urbanisierung

Die Metsä Board-Urbanisierungsstudie 2018 geht davon aus, dass die geschätzte jährliche Wachstumsrate bei der Urbanisierung in den nächsten 35 Jahren unter 1% liegen wird. Auch wenn diese Zahl niedrig erscheint, wird die enorme Bedeutung dieser auf den ersten Blick kleinen Wachstumsrate vor dem Hintergrund der entsprechenden Bevölkerungszahl deutlich. Während die urbanisierte Weltbevölkerung im Jahr 2014 3,9 Mrd. betrug, wird geschätzt, dass sie bis zum Jahr 2050 6,3 Mrd. erreichen wird.

Als Folge werden Haushalte kleiner, was sowohl den Platz als auch die Anzahl der Bewohner betrifft. Euromonitor prognostiziert, dass städtische Haushalte weltweit bis zum Jahr 2030 im Durchschnitt aus drei Personen bestehen werden, während Haushalte auf dem Land auf durchschnittlich 4,4 Personen kommen werden. Es wird auch damit gerechnet, dass die Anzahl der Haushalte, die aus einer Person bestehen, im städtischen Umfeld wachsen wird.

Mit diesem Trend wird der Besitz von Autos nachlassen; dies wird sich natürlich auf die Art und Weise auswirken, wie Verbraucher einkaufen. Während Großmärkte außerhalb des Zentrums der Großstädte noch wachsen, hat sich die Wachstumsrate zugunsten anderer Alternativen etwas verlangsamt. Das Einzelhandelsumfeld diversifiziert sich; es kann damit gerechnet werden, dass die Bewohner von Großstädten mehr in kleinen Geschäften in unmittelbarer Nähe einkaufen werden – und auch häufiger, da der wöchentliche Einkauf mit dem Auto nicht mehr bequem und – mit abnehmendem Autobesitz – möglich ist. Größere Discountketten lassen sich zudem zunehmend in der Mitte von Städten und Großstädten nieder und bieten Verbrauchern auch damit eine wirtschaftlichere Alternative.

Mit den Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verschieben sich die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit: Es kommt immer häufiger vor, dass man von zu Hause aus arbeitet (und damit gar keine Transportmöglichkeiten benötigt). Wenn man rund um die Uhr beschäftigt ist, isst man mehr unterwegs – und man greift außerdem zu Fertiggerichten. Dies schafft weitere Möglichkeiten nicht nur für kleine Geschäfte, sondern auch für Einzelhändler vor Ort, und führt zu eigenen, ganz konkreten Verpackungsanforderungen.

Mit den sich ständig verändernden Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher neigen junge Menschen immer mehr dazu, frische und gekühlte Produkte einzukaufen und sich von verarbeiteten und tiefgekühlten Angeboten abzuwenden.

3. Design und Funktionalität

Eine Studie von 2.000 US-Verbrauchern, die im Jahr 2016 von WestRock durchgeführt wurde, stellte fest, dass die Bedeutung der Verpackung in den letzten beiden Jahren bei denen gestiegen ist, die von sich selbst sagten, dass ihre Zufriedenheit mit Produkten in hohem oder sehr hohem Maße von der Verpackung abhängt. Während des gleichen Zeitraums wurden andere Faktoren wie Produktqualität, Komfort und Marken als gleich oder weniger wichtig eingestuft. Die Studie zeigt, dass:

  • Die Verpackung genauso wichtig wie die Marke ist. Die Bedeutung der Verpackung bei der Produktzufriedenheit hat sich in den beiden vergangenen Jahren direktional von 18 % auf 26 % erhöht.
  • Funktionalitätsmerkmale erheblich zur Verbraucherzufriedenheit beitragen. Mehr Verbraucher sagen, dass sie ein Produkt auf Grund der Funktionalität der Verpackung erneut gekauft haben (60 %), als diejenigen, die sagen, dass sie diese Entscheidung auf Grund der Ästhetik der Verpackung getroffen haben (38 %).
  • Die Verpackung die Markentreue beeinflusst. Ca. 35 % der Verbraucher sagen, dass sie auf Grund der Einführung einer neuen Verpackung zu anderen Marken gewechselt sind.

Lediglich 14 % der Verbraucher stimmen der Aussage voll zu, dass Marken sich bereits jetzt stark bemühen, die Verpackung zu verbessern, um den Wünschen der Verbraucher zu entsprechen. Dies weist darauf hin, dass aus den unterschiedlichen Perspektiven der Verbraucher und der Fachleute noch viel zu lernen ist. Das kann dazu beitragen, dass die Zufriedenheit verbessert und das Einkaufsverhalten bzw. die Markentreue der Verbraucher beeinflusst wird.

Laut Euromonitor ermutigt ein „Krieg gegen Zucker“ in Westeuropa und Nord-, Zentral- und Südamerika Markeninhaber in den Bereichen Süßwaren, Kekse, Snackprodukte und Eiskrem dazu, alternative Packungsgrößen als Möglichkeit der Erreichung einer höheren Portionskontrolle einzusetzen. Weil Verbraucher höherwertige Mahlzeiten suchen, wird damit gerechnet, dass Verpackungen, die eine höhere Produktfrische vermitteln, zunehmend sogar auch für ungekühlte Lebensmittel gewählt werden. Beutel werden eine andere beliebte Alternative darstellen, insbesondere für abgepackte Babynahrung, sofern sie für Kleinkinder für sicher gehalten werden.

Die vor Kurzem erschienene Stora Enso-Studie „What do consumers expect from packaging in the future?“ zeigt, dass Design eine Schlüsselrolle spielt, um bei Verbrauchern einen guten ersten Eindruck zu machen. Als wesentliche Faktoren wurden identifiziert: Sauberkeit und Minimalismus, mit guter Markenführung und Personalisierung, leichter Transport. Darüber hinaus sollten Verpackungen einfach zu öffnen sein, ggf. mit klaren Anweisungen sowie mit Rückgabeinformationen und ohne zu viel Leerraum.

4. Nachhaltigkeit

Verbraucher halten Verpackungen manchmal für überflüssig bzw. für etwas, das leicht zu entsorgen ist. Inzwischen ändert sich diese Einstellung.

Die Packaging Digest-Studie 2017 über nachhaltige Verpackungen stellte fest, dass nachhaltige Verpackungen wichtiger als jemals zuvor sind: 92 % der Befragten bejahten diese Aussage. 89 % der Befragten gaben an, dass Markeninhaber dafür verantwortlich sind, Verbraucher über nachhaltige Verpackungen aufzuklären. Dieser jährlich veröffentlichte Forschungsbericht erscheint inzwischen zum zehnten Mal und gibt Einblicke in die Trends, Fragen und Sorgen der nachhaltigen Verpackungsbranche.

Die Stora Enso-Studie stellte gleichzeitig fest, dass Verbraucher eine Vereinfachung des gesamten Verpackungskonzeptes wünschen. Im Idealfall wünschen sie mehr:

  • Wiederverwertbares, biologisch abbaubares Material
  • Essbare Verpackungen (!)
  • Verpackungen, die nach der Verwendung zerfallen (!)
  • Geschäfte, zu denen man seine eigene Verpackung mitbringen muss bzw. die nur Papiertüten bieten bzw. bei denen alles in Papier gewickelt wird
  • Funktionale, wiederverschließbare Verpackungen
  • Freundliche Farben, auch für Bioprodukte

Die Umweltbelastung, die durch das System der „Herstellung, Verwendung, Entsorgung“ verursacht wird, wird weltweit zunehmend kritisch gesehen. Dies war insbesondere in Asien, Lateinamerika, Nahost und Afrika deutlich, wo die Bevölkerung nach wie vor wächst. 56 % der Brasilianer bemühen sich bereits aktiv, die Verschwendung von Lebensmitteln im Haushalt zu verringern. Verbraucher in China sind der Meinung, dass umweltfreundliche Verpackungen in den kommenden fünf Jahren einen wichtigen Trend darstellen werden. Die Entwicklung von nachhaltigen Verpackungen ist aus Umweltsicht dringend erforderlich, während sie außerdem gleichzeitig Chancen für Akteure in der gesamten Lieferkette bietet.

Der Trend Report 2018 von Mintel hat gezeigt, dass die Wegwerfgesellschaft heute noch zu den globalen Trends zählt. Der Bericht prognostiziert jedoch eine Entwicklung hin zum Verständnis und zur Akzeptanz, dass Verpackungen eine wesentliche Rolle bei der Verringerung der weltweiten Lebensmittel- und Produktverschwendung spielen.

Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen werden jedes Jahr weltweit 1,3 Mrd. Tonnen Lebensmittel verschwendet, wobei Verbraucher in Europa und Nordamerika pro Person zwischen 95 und 115 kg Lebensmittel wegwerfen. Weil Verbraucher sich über diese wachsende Verschwendung Sorgen machen und merken, dass die Kosten dieser Verschwendung sie wirtschaftlich belasten, suchen sie inzwischen aktiv nach Lösungen.

5. Ausblick

Die internationalen Berichte, die wir ausgewertet haben, legen nahe, dass Verpackungen – und insbesondere Karton – ausgezeichnete Zukunftsaussichten haben. Es wird allerdings Herausforderungen geben, weil die westliche Welt einen Abbau bei Verpackungen als Möglichkeit der Verringerung von Verschwendung sieht, was sich als eine Einsparung an der falschen Stelle erweisen könnte. Verpackungen erfüllen einen wertvollen Zweck beim Schutz und bei der Konservierung von Produkten und werden hoffentlich als positiver Beitrag zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft erkannt und nicht einfach als notwendiges Übel gesehen.

Quellen:
www.euromonitor.com
www.metsaboard.com
www.mintel.com
www.packagingdigest.com
www.packagingstrategies.com
www.packworld.com
renewablepackaging.storaenso.com
www.smitherspira.com


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