2015-04-02

Alles Durchschnitt oder was?

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Auf einem Marketing Event, den Pro Carton kürzlich gemeinsam mit Propak in Wien organisiert hat, forderte Genetiker und Bestsellerautor Markus Hengstschläger eine Abkehr vom Mittelmaß. Nach dem Vorbild des „erfolgreichsten Experiments der Welt“ – der Evolution – sollte die Wirtschaft mehr Mut zeigen, Individualität unterstützen und Kreativität fördern. Auch die Packaging Supply Chain kann von diesem Prinzip lernen – bis hin zum Point of Sale.

Noch nie war die Zukunft so unvorhersehbar wie heute. „Vor hundert Jahren wusste ein junger Mensch, dass das für seinen Job erworbene Wissen bis zur Pensionierung reichen würde. Im Millenniumsjahr 2000 stellte man fest, dass sich das Wissen der Menschheit alle zehn Jahre verdoppelt. Das war gerade noch machbar, durch ‚Lebenslanges Lernen‘ konnte man vielleicht mithalten. Heute geht das nicht mehr. Alles, was man lehren und lernen könnte, verdoppelt sich einmal in 24 Stunden.“

 

Die Grundlage der Zukunft

„Noch nie hat vor uns eine Generation so viel Veränderung ertragen müssen. Niemand weiß heute, wie wir in 20 Jahren kommunizieren. Kann man sich überhaupt noch für die Zukunft rüsten? Stellen wir uns eine Schülergruppe im Turnsaal vor: Früher kam ab und zu ein Ball dahergeflogen und musste gefangen werden. Meistens kein Problem. Heute kommen viele Bälle aus allen Richtungen.“

Statistische Analysen helfen da nicht weiter: „Wenn zum Beispiel 10 Bälle von links oben kommen und 10 von rechts unten, wo kommen die Bälle dann im Durchschnitt her? Aus der Mitte. Also sagt der Turnlehrer seinen Schülern, sie sollen sich in der Mitte aufstellen, obwohl noch kein einziger Ball wirklich von dort gekommen ist. Das Ergebnis: minimal.“

Aus demselben Grund wird jungen Menschen oft empfohlen, sich in die Mitte zu stellen, wo alle stehen. Wenn das alle machen, kann es ja nicht ganz falsch sein. „Doch das Ergebnis bleibt minimal. Wenn man das Morgen nicht kennt, muss man individuell aufgestellt sein.“

 

Das erfolgreichste Experiment der Welt

Genetiker wissen das. Ein Beispiel: „In einer Pfütze leben Nesseltierchen, sehr kleine Lebewesen, die man mit freiem Auge nicht sehen kann. Sie pflanzen sich asexuell fort, durch Teilung. Das geht sehr schnell, und die Nachkommen sind alle gleich. Bei guten Bedingungen leben in kürzester Zeit Milliarden von Nesseltierchen in der Pfütze. Aber wenn die Temperatur nur um ein paar Grad steigt, haben sie alle keine Chance.“

Wenn eine Firma ein erfolgreiches Produkt herausbringt, dann wird sie es möglichst schnell reproduzieren, bis der Markt voll ist und sie ihn beherrscht. „Das sichert zweifellos kurzfristig den Erfolg, langfristig ist das allerdings brandgefährlich. Tritt ein X-Event ein, ein ‚extraordinary event‘, ist das Unternehmen nicht vorbereitet. Und in Zukunft wird es so viele X-Events geben wie noch nie.“

Wenn ein X-Event eintritt und alle verschieden sind, gibt es praktisch immer jemanden, der überlebt. „Je mehr verschiedene Talente unter uns sind, umso eher wird jemand dabei sein, der die Antwort auf eine Frage weiß, die wir heute noch gar nicht kennen. Die Evolution ist das erfolgreichste Experiment der Welt, weil immer alle verschieden sind. Wir haben genügend Antworten auf die Fragen der Zukunft! Das Problem ist nur, wir werfen sie meist über Bord, weil wir die Fragen noch nicht kennen.“

 

Die Zukunft managen

Die Wirtschaft muss umdenken. „Sie fordert keine Peaks & Freaks ein, sie fordert junge, günstige Absolventen, die tun, was man ihnen sagt. Jemand, der bereit ist, einen neuen Weg zu gehen, muss den alten verlassen. So etwas müsste in einer Firma gefördert werden. Das kostet zwar Geld, aber das kommt bald wieder herein. Wir müssen Strukturen schaffen, die höchstmögliche Individualität und Kreativität zulassen!“

Wie man das managt? Mit der richtigen Balance zwischen sicheren und riskanten Projekten. Zum Management der Zukunft gehört zweierlei: „Man muss das Verhältnis ‚risky:safe‘ jeden Tag neu mischen. Man muss immer so viele sichere Projekte fördern, dass man sich die risikoreichen leisten kann. Und zweitens: In einem Bereich, in dem man nicht talentiert ist, darf man nicht selbst tätig sein. Man muss fehlende individuelle Intelligenz durch interpersonale Intelligenz ersetzen. Soziale Kompetenz muss das ausgleichen, was man nicht kann.“

 

Die Supply Chain neu ausrichten

Anhand dieser Beispiele zeigt Markus Hengstschläger, wie wichtig es ist, nicht in die Durchschnittsfalle zu geraten. Das betrifft alle Bereiche der Wirtschaft: Ob Personalführung, Produktentwicklung, Design, Marketing oder Verpackung, Handel und den Point of Sale – nur größtmögliche kreative Freiheit und Individualität sichern jene Antworten, die wir für die Zukunft brauchen.

Auch die Packaging Supply Chain sollte von diesem Prinzip lernen. Genügte es früher, eine verbesserte Lösung für dasselbe Problem zu finden, gilt es heute, völlig neue Wege zu gehen – und zwar für jedes einzelne an der Wertschöpfungskette beteiligte Unternehmen. Niemand weiß genau, wohin die Entwicklung geht, aber wer abwartet, bis sie eintrifft, ist aus dem Rennen.

Die Packaging Supply Chain sollte sich Verpackungslösungen zuwenden, die bisher Ungedachtes denkbar machen, mit Eigenschaften, die mögliche zukünftige Anforderungen aufgreifen, Lösungen, die auch am Point of Sale – und der ist heute überall – völlig anders aussehen als das, was wir bisher kennen.

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